World Backup Day 2020

Adrian Marmy

Es ist wohl keine Übertreibung, zu behaupten, dass wir zur Zeit einen gesellschaftlichen Umbruch erleben. Die Corona-Präventionen zwingen etliche Firmen zu einer Digitalisierung und Virtualisierung ihrer Arbeitsabläufe. Berührungsängste vor Video-Konferenzen, Chats und cloudbasierten office-Tools werden dadurch in früher undenkbarer Geschwindigkeit überwunden und somit – auch privat – zur Normalität.

Der diesjährige World Backup Day gelangt dadurch unverhofft zu neuer Bedeutung, denn die allgemeine Menge an Daten wird zunehmen.

Doch machen wir erst einmal einen Schritt zurück und schauen uns diesen Tag einmal genauer an:

Woher kommt eigentlich der World Backup Day?

In diesem Blogpost: 

  • Was ist der World Backup Day?
  • Worst Case Szenario Datenverlust
  • Private Backup-Lösungen 
    • Festplatten
    • persönliche Cloud (NAS)
    • Cloud-Angebote für die Bequemen

Nach den Wurzeln des World Backup Days zu suchen, gestaltet sich als Herausforderung. Die Website der Initianten schweigt sich über das Datum des ersten WBDs aus. Wir erfahren von ihr lediglich, dass der 31.3. als Datum als Anspielung auf den 1. April gewählt wurde.
Eine Google-Suche führt zu einem Post vom 31.1.2011, der feierlich verkündet: “It's the first World Backup Day today”. Seit 2011 also.

“Ich schwöre feierlich, am 31. März ein Backup meiner wichtigen Dokumente und wertvollen Erinnerungen zu machen.

Ich werde auch meine Freunde und meine Familie über den ‘World Backup Day’ informieren – Freunde lassen Freunde nicht ohne Backup steh'n.”

Dies ist der “World Backup Day”-Eid, den man von der Landingpage aus auf Facebook und Twitter sharen kann.

Es drängt sich die Frage auf:

Ist der World Backup Day denn bloss ein Witz?

Das Vorschaubild des Promo-Videos (Anmerkung: das Video wurde unterdessen leider entfernt) enthält bereits die Kernfrage: “Was würdest du tun, wenn du alles verlieren würdest?” Gemeint ist damit nicht jegliches Hab und Gut oder das Leben, sondern noch schlimmer: Handy, Computer, Festplatte.

Diese Geräte sind unlängst an die Stelle von Fotoalbum, Tagebuch, Notizblock und sogar Portemonnaie getreten. Wir benutzen sie täglich, vertrauen ihnen alles an. Doch die wenigsten von uns zerbrechen sich den Kopf über Sicherheitskopien ihrer auf diesen Geräten weilenden Daten.

Zugegeben, Cloud basierte, also im Internet gelagerte Systeme hatten sich schon vor Corona beinahe unbemerkt zunehmend in unseren Alltag eingeschlichen. Noch vor wenigen Jahren fand man in den Feeds der sozialen Medien gerne mal einen Aufruf, man möge doch bitte eine SMS schicken, da sämtliche Kontakte verloren gingen. Das kann heute kaum mehr passieren, da solche Daten in der Cloud gespeichert werden. Man muss sich auf dem neuen Handy lediglich einloggen und nach einer Minute ist man bereits wieder im Besitz sämtlicher Einträge.

Cloud Symbolbild
Cloud Symbolbild

Doch grössere Datenmengen und vor allem grössere Dateien, wie beispielsweise Filmdateien, werden immer noch häufig auf externen Festplatten abgelegt. Es benötigt nicht einmal einen Wohnungsbrand, ein Erdbeben oder ein ähnlich ausgefallenes Szenario, um sämtliche Heimvideos und Fotos zu gefährden. Eine Festplatte ist ein verhältnismässig anfälliges Speichermedium: Schnell führt bereits eine Erschütterung oder ein Schlag zu einem mechanischen Defekt, beispielsweise dem Bruch des Lesekopfes. Da hilft dann keine Software weiter. Wenn Ihnen in einem solchen Fall genug an der professionellen Rettung Ihrer Daten liegt, dann kriegen Sie hier eine Kostprobe, mit welchen Kosten Sie dafür rechnen dürfen.

Spätestens mit dieser Frage räumen die World Backup Day-Initianten jeden Zweifel aus der Welt: Datenverlust ist leider kein Witz. “Doch nur jeder vierte Mensch macht regelmässige Backups seiner Daten.”, fährt das Video fort.

Lassen Sie uns gemeinsam diese Statistik ändern. 

Digitale Daten

On-Premise-Lösungen/Lokale Lösungen

Externe Festplatten zu kaufen, ist die vermeintlich naheliegendste Lösung. Beachten Sie dabei folgende Tipps:

  1. Kaufen Sie Markenprodukte. Hier lohnt es sich nicht, an Geld zu sparen, denn externe Festplatten sind relativ anfällig auf Schäden, unter anderem weil man sie häufig mit sich trägt.  Recherchieren Sie gezielt, welche Marken sich bewährt haben. Finden Sie dazu Erfahrungsberichte und verlassen Sie sich nicht auf Reviews von Usern, die die Festplatte erst wenige Wochen besitzen.
  2. Machen Sie Gebrauch von automatischen Backups. Wenn Sie im Besitz eines Macs sind, dann finden Sie diese Funktion bereits native in Ihrem Betriebssystem. Auch Windows 10 bietet die Möglichkeit für automatische Backups, jedoch ist dieses Feature unterdessen “deprecated” (engl. für “abgelehnt”), was konkret bedeutet, dass Microsoft es nicht mehr weiterentwickelt und es aus zukünftigen Windows-Versionen womöglich entfernen wird. Es gibt jedoch etliche gratis Tools, die diesen Job genauso erledigen können.
  3. Kaufen Sie (mindestens) zwei Festplatten, sichern Sie Ihre Daten auf beiden und lagern Sie eine davon an einem anderen Ort. Im Falle einer Katastrophe ist dann nur eine der beiden Festplatten betroffen. Aktualisieren Sie die Daten auf dem Gerät, welches nicht bei Ihnen zu Hause lagert, regelmässig.

Eine weitere Option wäre es, eine persönliche Cloud, ein sogenanntes NAS (Network Attached Storage) einzurichten. Dabei handelt es sich um ein System mit gewöhnlich zwei Festplatten, um alle Daten doppelt zu sichern. Die Sicherung läuft über eine Netzwerk-, bzw. Internetverbindung. Ab etwa 350 Franken bekommen Sie ein NAS mit 2x2 Terrabytes Festplattenspeicher. 

Wenn Sie sich für ein NAS entscheiden, beachten Sie folgendes:

  1. Solange Sie sich nicht zwei NAS einrichten, sind Ihre Daten im Falle eines Wohnungsbrandes oder Wasserschadens gefährdet.
  2. Denken Sie daran, dass eine Erstbelegung des Speicherplatzes mit all Ihren bisher gesammelten Daten lange dauern kann, da diese über Ihr Heimnetzwerk läuft und nicht über ein USB-Kabel wie bei externen Festplatten.
  3. Um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass beide Festplatten gleichzeitig einen Defekt erleiden, kaufen Sie zwei verschiedene Festplatten von unterschiedlichen Herstellern. 
  4. NAS laufen für gewöhnlich auf dem Betriebssystem Linux. Im Falle eines logischen Fehlers (Fehler im Dateisystem) der Festplatten, ist eine Datenrettung aufwendig und erfordert potentiell teure, professionelle Hilfe.

Wenn Sie bisher keine Backups gemacht haben, dann können Sie mit diesen Massnahmen das Risiko eines Datenverlustes bereits erheblich senken.

Cloud-Lösungen. 

Die Angebote für Cloud basierte Backups sind eher unübersichtlich. Kriterien der Preispläne sind die Anzahl Nutzer, jährliche oder monatliche Abrechnung, die Uploadgeschwindigkeit, die Sicherheitsgarantie, die Datenmenge, die man hochlädt und sogar die, die man löscht.

Für unseren Preisvergleich gehen wir von einer Person aus, die monatlich bezahlen möchte. Je nach Anspruch an den Speicherplatz, variieren die Kosten. 

Space in GBfree501002005001000200030004000
Dropbox29,99
16,58
Google Drive15CHF
2.–
CHF
3.–
CHF
10.–
icloud5CHF
1.–
CHF
3.–
CHF
10.–
OneDrive (Microsoft)5 CHF
1.95
CHF
6.95
pCloud104.16 €
(jährliche
Zahlung
49.99 €)
8.33 €
(jährliche
Zahlung
99.99 €)
tresorit/CHF
11.99
CHF
27.99
box10 GB
(nur
Dateien
bis
Grösse
250 MB)
4,50 €
(Datei-
grösse
-2GB)
oder
9 €
(Datei-
grösse
-4GB)

MyDrive wurde mit der Aktualisierung dieses Beitrags entfernt, da die Preistransparenz umgestaltet wurde: Neu kriegt man erst bei der Registrierung, also nach Eingabe der E-Mail-Adresse Einsicht in die Preise.

MyCloud von Swisscom bietet ihren Kundinnen und Kunden deutlich bessere Konditionen an, die es sich zu überprüfen lohnt.

Neu hinzugefügt wurde pCloud mit einer Neuheit: Lifetime Deals/Lebenslanger Cloud Space für

175€ für 500 GB oder 350€ für 2 TB.
Die Preise sind eigentlich 500€ und 980€, aber sind seit Monaten vergünstigt.

Fazit:

Selbstverständlich ist diese Liste nicht vollständig, es gibt noch zahlreiche andere Anbieter. Wir haben hier jedoch einige der populärsten abgedeckt.

Auf den ersten Blick wird klar, dass Google Drive den meisten gratis-Speicherplatz bietet. Auch bei den kostenpflichtigen Speichermengen ist Google Drive zusammen mit icloud und OneDrive unter den günstigsten Anbietern.

Wer besonders viel Wert auf Sicherheit und einen Schweizer Anbieter legt, wird mit tresorit am besten bedient sein.

Analoge Daten

Beim World Backup Day denkt man bestimmt nicht als erstes an VHS-Kassetten oder Dia-Fotos. Aber wenn man noch vor 1990 geboren wurde, dann stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass man noch im Besitz einiger Kassetten oder entwickelter Fotos ist. 

Vergleichstabelle Lebensdauer Speichermedien

Lebensdauer
Kompaktkassette (Compact Cassette):10 - 30 Jahre
Schallplatten (Phonograph Record oder Langspielplatten)sehr lange haltbar, wenn sehr gut gepflegt. 
Fotos je nach Pflege bis zu 300 Jahre
CD5-10 Jahre
DVD10-30 Jahre

Unsere Vergleichstabelle schafft den Anschein, dass “digital” nicht zwingend auch langlebig bedeutet. So hat die CD zumindest im Schnitt die tiefste Lebensdauer. In der Theorie stimmt das auch.

Jedoch benutzt die Mehrheit von uns kaum noch auch nur eine dieser Medien. Stattdessen haben sie das letzte Jahrzehnt, wenn nicht länger, auf dem Dachboden Temperaturunterschieden zu trotzen versucht. In grossen, verstaubten Pappkartons.

Darum legen wir Ihnen an dieser Stelle ans Herz: Digitalisieren Sie sie oder beauftragen Sie einen Service damit.

Kompaktkassette (Compact Cassette):

Die ist heutzutage am leichtesten zu digitalisieren. Zwischen 30 und 50 Franken können Sie einen kleinen Kassetten-Player kaufen, den Sie über USB an Ihren Rechner anschliessen können. Von diesem Gerät abgesehen benötigen Sie nur noch eine Aufnahmesoftware. Zum Beispiel Audacity. Das Programm ist gratis und sehr vielseitig.

Schallplatten (Phonograph Record oder Langspielplatten)

Jeder Plattenspieler mit USB-Anschluss ist hierfür geeignet. Die Vorgehensweise ist die selbe wie beim Kassetten-Player.

Kompaktkassetten und Schallplatten: Sind Sie im Besitz von Schallplatten sowie auch von Kompaktkassetten, dann könnte der Technaxx Cassette Digitizer sie interessieren. Er kann nicht nur die Musik von den Medien abspielen, sondern diese direkt auf eine SD-Karte oder einen USB-Stick abspeichern. Preispunkt: CHF 68.- 

Dieses Gerät ist gleichzeitig eines der günstigeren Plattenspieler auf dem Markt. Es ist anzunehmen, dass die Abspielqualität nicht dieselbe ist, wie bei einem teureren Plattenspieler.

Fotos:

Es gibt Negative- und Foto-Scanner. Wenn Sie allerdings im Besitz einer riesigen Fotosammlung sind, wird diese Variante Sie viel Zeit kosten. Die pragmatische Alternative wäre ein Digitalisierungsservice wie https://www.archivscan.ch/.

Fazit:

Natürlich ist für alle Ihre analogen Datenträger ein Digitalisierungsservice eine Option, nicht nur für Ihre Fotos. Denken Sie jedoch daran, dass Sie meistens nur private Aufnahmen digitalisieren müssen. Alte TV-Filme/Serien oder Hörspiele sind heutzutage häufig in den online Angeboten oder auf Ebay/Ricardo/Amazon in digitaler Form zu finden, deren erneute Anschaffung sich, gemessen am Digitalisierungsaufwand, höchstwahrscheinlichen lohnen würde. Wenn diese alle wegfallen, bleiben bei den meisten Menschen nur noch wenige analoge Datenträger übrig, für die man kaum mehr einen Digitalisierungsservice benötigt.

Doch, egal für welche Variante Sie sich entscheiden: Wichtig ist, dass Sie es bald anpacken, damit Sie beim nächsten World Backup Day nur noch schmunzeln und sich darüber freuen können, dass Sie sich um Ihre Daten nicht mehr Sorgen müssen.

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